APRIL/MAI – vor 75 Jahren: Todesmarsch und Befreiung der KZ’s

Häftlinge, die von SS-Kommandos nicht erschossen wurden oder auf dem Weg vor Entkräftung verstarben, gelangten am 3. bzw. 6. Mai 1945 in die Gegend von Parchim, Ludwigslust und Schwerin.
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Ungefähr 40 km nördlich von Cottbus befindet sich das KZ »Arbeitslager Lieberose«. Dieses wurde 1943 auf Befehl der SS als ein Außenlager des KZ Sachsenhausen in dem Dorf Jamlitz eingerichtet. Die meisten Häftlinge kamen aus Groß-Rosen und seit Juni 1944 aus Auschwitz.

Szenenfoto der »tanzkompagnie golde g.« zum Tanzprojekt »Vernichten & Verdrängen«
Szenenfoto der »tanzkompagnie golde g.« zum Tanzprojekt »Vernichten & Verdrängen«

Im Februar 1945 wurde das KZ aufgelöst und nicht einmal ein Fünftel (ca, 3500) aller Häftlinge haben das überlebt. Am 1. Februar wurden 700 Häftlinge nach Falkensee und Sachsenhausen deportiert und ermordet.

Weitere 1600 wurden auf den Todesmarsch getrieben wurden, so das nur noch 1300 Menschen zurück blieben. Infolge sogenannter „Sonderbehandlung“, wurden Kranke und Schwache ermordet.

In den Folgemonaten erreichten viele der auf den Todesmarsch Getriebenen Sachsenhausen, wo die Selektionen und Ermordungen weitergingen.

Am 21. April drangen die Truppen der Roten Armee und der U.S. Armee immer weiter vor, und die SS entschied, das KZ Sachsenhausen mit ca. 33.000 Häftlingen zu räumen und auf einen weiteren Todesmarsch zu treiben. Auf diesem Weg wurden sie in den Belower Wald bei Wittstock getrieben.

Wer von den SS-Kommandos nicht erschossen wurde oder auf dem Weg vor Entkräftung verstarb, gelangte am 3. bzw. 6. Mai 1945 in der Gegend von Parchim, Ludwigslust und Schwerin. Hier kommt es zum Handschlag zwischen Einheiten der Roten Armee unter Marschall Konstantin Rokossowski und Soldaten der Westalliierten unter Feldmarschall Bernard Law Montgomery.

Je nach dem, wo sich die – alleingelassenen und von den inzwischen geflohenen SS-Posten – Häftlinge in diesem Gebiet befanden, wurden sie von der Roten Armee und den amerikanischen Truppen befreit.

Zurück zum KZ »Arbeitslager Lieberose«: Heute ist eine umfangreiche Dokumentation ca. 40 km nördlich von Cottbus (im Justus-Delbrück-Haus, Am Bahnhof 1) in Jamlitz zu sehen. Hier hat der Historiker Dr. Weigelt, oft auch mit zeitgeschichtlichen Schülerprojekten (z.B. des Max-Steenbeck-Gymnasium unter der Leitung von Frau Kaps-Brettschneider), eine eindrucksvolle Gedenk- und Bildungsstätte nationalsozialistischer Diktatur über diesen Unrechtsort errichtet.

Auch der am 28. Oktober 1938 in Cottbus verhaftete 9jährige Schüler Max Schindler und seine Familie (Großeltern, Eltern und die Geschwister Fred und Cecilia) mussten ein ähnliches Schicksal erleiden.

Max wurde am besagten Oktobertag zusammen mit seinen Familienangehörigen zunächst im Zuchthaus Cottbus arrestiert und sofort mit einem speziellen Zug nach Polen deportiert. Nachdem der Familie die Flucht gelang, konnten sie zunächst in der Heimat des Großvaters und der Großmutter Schweid Brzesko und Wytrzyssczka (beide Orte liegen östlich von Krakau) in Ruhe leben.

Nach dem Überfall Deutschlands 1939 auf Polen begann die Leidensgeschichte der Familie. Das Leben der gerettet Geglaubten wurde immer bedrohter: Ende März 1942 wurden sie in ein Arbeitslager deportiert: zunächst nach Bedzieszyna, ab Februar 1943 in ein Zwangsarbeitslager in Mielec. Nachdem die Rote Armee immer weiter nach Westen vorrückte, wurden die Häftlinge ab Februar 1944 zunächst nach Wieliczka und danach in ein brutales KZ in Plaszow verlegt. Hier wurden die Mutter und die Schwester Cäcilie ermordet. Im März 1944 wurden die Überlebenden Geschwister in ein Zwangsarbeitslager nach Zschachwitz/Dresden deportiert. Hier erlebten sie am 13. Februar 1945 den furchtbaren Fliegerangriff auf die sächsische Metropole.

10 Tage später begann der Todesmarsch auch für die Überlebenden der Schindler-Familie. Vom KZ Zschachwitz wurden sie zusammen mit 300 Gefangenen nach Litmerice/Leitmeritz getrieben. Hier musste der Vater, Benjamin Schindler immer mehr an den Strapazen leiden um mit dem Zug der Häftlinge Ende März in Theresienstadt anzulangen.

Am 8. Mai 1945 erreichten die Rote Armee Theresienstadt und befreiten einen Tag später die 100 völlig entkräfteten und dem Tode nahen Überlebenden in der »kleinen Festung«. Max, sein Bruder Fred und sein Vater konnten diesen Tag überleben; Vater Benjamin Schindler jedoch, geschwächt von der Zwangsarbeit, der schlechten Ernährung und vom Todesmarsch, konnte
nicht überleben und wurde ein spätes Opfer der Nazis.

Wir bedanken uns für die freundliche Genehmigung von Rose Schindler, San Diego, für die Nutzung der Angaben, die dem Buch entnommen sind: M. Lee Connolly, Two Who Survived, San Diego California, U.S.A., 1 06/2019, insbesondere auf S. 35-44 und 91-106)

Alle Fotos © Chr. Polster

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