Aufarbeitung – Erinnerungsgeschichte – Stadtgeschichte/n

Inhaltsverzeichnis

Aufarbeitung als Verantwortung gegenüber der Geschichte zweier deutscher Diktaturen

Der Verein Aufarbeitung Cottbus e.V. versteht sich als Partner aller Einrichtungen, die sich mit politisch-historischerer Bildung beschäftigen sowie sich um schulische und außerschulische Bildungsarbeit bemühen.

Die ACB versteht sich als Kooperations- und Netzwerkpartner. Mit Podiumsdiskussionen, Ausstellungen und Zeitzeugengesprächen, mit Bildungsseminaren und –workshops und anderen zeitgeschichtlichen Projekten fördert sie Erinnerungskultur in der Region Cottbus und gibt aus der lokalen Sicht heraus den aktuellen Aufarbeitungsprozessen Impulse bzw. fördert einen entsprechenden Wissenstransfer.

Die ACB bemüht sich um Recherche zeitgeschichtlicher Dokumente und Materialien zu den Schwerpunkten Opposition und Widerstand, im Nationalsozialismus, der SBZ und der DDR.
Dokumente der im Zusammenhang stehenden politischen Verfolgung und Repression werden den an der Aufarbeitungs-, Erinnerungs- und Versöhnungsarbeit interessierten Personen und Einrichtungen zugänglich gemacht.

Ziel ist die umfassende Aufarbeitung der Ursachen, Geschichte und Folgen der beiden deutschen Diktaturen, sowie den Prozess der Deutschen Einheit zu begleiten, den nachfolgenden Generationen Kenntnis vom Leben unter Diktatur-Bedingungen zu vermitteln, den persönlichen Einsatz für ein Leben in Freiheit und Demokratie bekannt zu machen sowie an der Aufarbeitung vom begangenen Unrecht mitzuwirken.

Aufarbeitung zweier deutscher Diktaturen

Mehr als 55 Millionen Menschen – zumeist in der Zivilbevölkerung – mussten während des 2.Weltkrieges ihr Leben lassen. 24 Millionen Menschen stammten aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. 6 Millionen Juden wurden ermordet oder kamen im Zusammenhang mit den Folgen antisemitischen Handelns um. Viele Hunderttausend Menschen, wie Roma, Sinti, Behinderte und Kranke fielen aus Gründen rassistischer Politik des nationalsozialistischen Regimes zum Opfer.

In der SBZ bzw. in der DDR wurden allein in den Jahren zwischen 1945 und 1955 von sowjetischen Militärgerichten (Militärtribunale) bzw. DDR-Gerichten ca. 40 Tausend Menschen wegen politischer Vergehen zu langen Haftstrafen verurteilt; 3 Tausend wurden hingerichtet.

Bis zum Zusammenbruch der DDR waren, insbesondere über die Opfer der sowjetischen Diktatur, kaum genaue Fakten bekannt. Genaue Zahlen über die Opfer an der Berliner Mauer und
innerdeutschen Grenze werden aktuell erarbeitet und Zahlen über politische Häftlinge und deren
Spätfolgen sind auch heute kaum abschätzbar.

Erinnerungskultur und Geschichtsbild in den beiden deutschen Staaten zwischen 1945 und 1990

Die Erinnerungskultur in den beiden deutschen Staaten war nicht nur sehr unterschiedlich, sie war auch gegenläufig. Während in der Nachkriegszeit in der Bundesrepublik die guten deutschen Traditionen im Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur betont wurden, dominierte eine Zeit des Schweigens über die nationalsozialistische Vergangenheit. In den sechziger Jahren gab es nur wenige mutige Aufarbeitungsinitiativen (zum Beispiel der in Hessen ansässige Generalstaatsanwalt Fritz Bauer). Erst Anfang der 1970iger Jahre entwickelte sich ein starkes zivilgesellschaftliches Engagement von Initiativen und Organisationen, die eine zum Nationalsozialismus bekennende Verantwortung und Aufarbeitung etablierte.
In der DDR dominierte ein sozialistisches Geschichtsbild mit dem Gründungsmythos, die deutschen Antifaschisten hätten an der Seite der Sowjetunion den Nationalsozialismus besiegt und folgerichtig in der DDR ein demokratisches Deutschland geschaffen. In einer Vielzahl propagandistischer Schauprozesse wurden Kriegsverbrecher abgeurteilt. Daneben hat sich, wie wir heute wissen, das MfS in der Zurückhaltung nicht weniger Personen mit schuldbehafteter Vergangenheit ein Erpressungspotential geschaffen, mit dem sie u. a. ein gut funktionierendes Diffamierungs- und Zersetzungssystem etablierte.
In vielen Familien in Ost- und Westdeutschland wurde über viele Jahre hinweg über die Beteiligung der Eltern- und Großelterngeneration nur sehr wenig gesprochen. Daneben gab es auch immer Familien, die den Mut aufbrachten, die überfälligen Fragen zu stellen. Nur langsam konnte die Erkenntnis über diese Aufarbeitungsdefizite über die Jahre wachsen.
Weiterhin muss kritisch angemerkt werden, dass in beiden deutschen Staaten wichtige Fragen der beiden deutschen Diktaturen nur wenig im Blickfeld von Erinnerungsauseinandersetzung gewesen ist: die Opfer nichtjüdischer Opfergruppen und Nationalitäten, Flucht und Vertreibung in der nationalsozialistischen Diktatur, die Opfer der stalinistischen Verbrechen und der Zwangsarbeit in der Sowjetunion sowie der politischen Häftlinge und der Auswirkungen in der DDR-Diktatur.

DDR: keine Auseinandersetzung um Schuld und Mitverantwortung an den Verbrechen des Nationalsozialismus

Infolge des sozialistischen Geschichtsbildes und des davon abgeleitetes mythologischen Selbstverständnisses, die Rolle des positiven Erben einer nationalsozialistischen Geschichte sein zu wollen, hat zur Zeit der DDR-Diktatur jedwede umfängliche Auseinandersetzung über Totalitarismus gefehlt.
Die SED-Klassentheorie betrachtete den deutschen Nationalsozialismus als ein vom „Finanzkapital“ installiertes Marionettenregime zur Unterdrückung der Arbeiterklasse. Demzufolge galt die Shoah lediglich als ein NS Verbrechen unter vielen. Im Vordergrund der sozialistischen Ideologie stand – gerade auch um die eigene Herrschaft zu legitimieren – die Verfolgung der Kommunisten. Demzufolge wurden Holocaust-Überlebenden lediglich als „Opfer des Faschismus“ betrachtet. Ebenso verfälschend wurde der nationalsozialistische Antisemitismus als eine bloße Ablenkungsideologie des NS Staates zur Spaltung und Täuschung der Unterdrückten interpretiert. Das an sich gute „deutsche Volk“ sei allenfalls „verführt“ worden und habe selbst unter dem Nationalsozialismus gelitten.
Dem entspricht die Nicht Auseinandersetzung der unübersehbaren neonationalistischen und antisemitischen Jugend-Trends in den 1980er Diese wurde von der DDR-Ideologen als unpolitisches jugendliches „Rowdytum“ deklariert. Und der Nahostkonflikt firmierte im Verständnis als einen Teil des weltweiten „Klassenkonflikts“ zwischen „dem Imperialismus“ und „den friedliebenden Völkern“. Damit verweigerte sie sich einer Auseinandersetzung mit Antisemitismus, Holocaust, Schuld und Verantwortung. Zwar ist die DDR keineswegs als antisemitischer Staat zu bezeichnen, wohl aber konnten eindeutig antisemitische Tendenzen Raum gewinnen.

Aufgabe des Vereins ACB e.V.

Aufgabe des Vereins ACB e.V. ist es, die Förderung der Auseinandersetzung mit den Spätfolgen der Diktatur-Aufarbeitung hinsichtlich:

Demokratie-Bildung

Diskurs über Nationalsozialismus, Rassenlehre und Totalitarismus

Auseinandersetzung mit dem SED-Geschichtsverständnis und Zwangsideologisierung

Interreligiöse Dialoge

Mit den Mitteln:

historisch-zeitgeschichtlicher Bildungsarbeit

kreativen Projekten

Zeitzeugengesprächen

interreligiöse Dialogen

Dokumentationen, Ausstellungen und weiterer den Zielen des Vereins entsprechenden Veranstaltungen zu organisieren

Erinnerungskultur und deren Implementierung in die Stadtgeschichte Cottbus

Es besteht die Absicht die Folgen der beiden deutschen Diktaturen einerseits in der Stadtgeschichte, d.h. in der Geschichte der Menschen in Cottbus und Umgebung ebenso wie in den Teilen des gesamten wieder vereinigten Deutschland deutlich zu machen.

Der Alltag in Deutschland – und damit auch der Stadt Cottbus – war geprägt von einer Vielfalt an Kultur und Religion insbesondere jüdischer Prägung. Heute muss man sich auf intensive Spurensuche machen um solche Prägungen zu entdecken. Das dargelegte DDR -Geschichtsbild und die Auswirkung dieser sozialistischen Ideologisierungen haben Menschen nachhaltig beeinflusst. Die Auswirkungen von Holocaust und nationalsozialistische Erziehung einerseits und der sozialistische Herrschaftsanspruch mit Mauerbau und Feindbilderziehung respektive der Ideologie des Kalten Krieges haben andererseits tiefe Spuren hinterlassen. Diese sind jedoch nicht ohne weiteres selbsterklärend und erkennbar.
Die Erforschung von Trennungsgeschichte und Trennungsgeschichten, die in Ost und West ihre Leidensspuren hinterlassen haben aber auch ihre Widerstandsgeschichten haben, sollen entdeckt und interpretiert werden.

Selbstverständnis

Der Verein „Aufarbeitung Cottbus“ (ACB e.V.) versteht sich als Initiative zur Aufarbeitung der beiden deutschen Diktaturen in der Region Cottbus. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, den Alltag von Menschen zu beleuchten, die während des „Dritten Reichs“ und in der DDR unter Diktaturbedingungen leben mussten, und auf Beispiele mutigen Widerstands aufmerksam zu machen.

Der Verein richtet dabei sein Augenmerk auf die Region Cottbus, auf den früheren Bezirk und dessen weitere Umgebung, denn es besteht oftmals die irrige Annahme, dass es in der »Provinz« nur selten Geschichten von Widerstand gegen Diktatur und Demagogie gegeben habe. In der sogenannten »Provinz« – sowohl in Cottbus und Umgebung als auch in anderen Teilen Deutschlands – lassen sich sehr wohl solche Widerstandsgeschichten entdecken, die lebenswichtige Impulse und Wirkungen für ein freiheitliches Leben gegeben haben. Solche Geschichten erzählen von häufig im Stillen agierenden »Heldinnen und Helden des Alltages«, die unter Verfolgung und Repression leiden mussten oder sogar umgebracht wurden.

Das Bemühen des Vereins „Aufarbeitung Cottbus“ ist es, die jüngere Generation an dieser Entdeckungsaufgabe zu beteiligen und ihr Wege aufzuzeigen, diese Geschichten selbst aufspüren zu können. Solche Entdeckungen in der eigenen Heimatregion sind wertvoll, denn sie berichten einerseits von Schicksalen in Zeiten, in denen oft kein Ende der totalitären Verhältnisse absehbar war. Sie zeigen andererseits auf, wie wichtig diese Hoffnungszeichen für das engagierte Streben nach Demokratie und Freiheit gewesen sind. Und nicht zuletzt machen diese Entdeckungen Mut, auch heute für ein Leben in Vielfalt und Demokratie einzutreten.
Ziel der Bildungsarbeit des Vereins ist es, dass die Jugendlichen erfahren und erkennen, wie relevant die Geschichte für ihre eigene Lebenswirklichkeit ist und wie wichtig es ist, Demokratierechte zu schützen bzw. diese couragiert einzufordern. Dabei entwickeln die jungen Leute Werte wie Toleranz, Solidarität und Empathie. Sie werden ermutigt, selbst gegen jegliche Form von Gewalt und Ausgrenzung einzutreten und für ein Leben in Vielfalt und Demokratie aktiv zu werden.

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